Er steht auf Reinigungsmitteln, Farben, Klebstoffen und zahlreichen anderen chemischen Produkten. Er besteht aus 16 Zeichen, beginnt mit „UFI:“ und wird dennoch im betrieblichen Alltag häufig kaum wahrgenommen. Dabei kann genau dieser unscheinbare Code im Ernstfall entscheidend dazu beitragen, dass nach einem Chemieunfall schnell die richtigen Informationen zur Verfügung stehen.
Der UFI-Code, der „Unique Formula Identifier“ oder eindeutige Rezepturidentifikator, verbindet ein gefährliches chemisches Gemisch eindeutig mit seiner hinterlegten Zusammensetzung. Seit dem 1. Januar 2025 müssen entsprechende gesundheitsgefährdende oder physikalisch gefährliche Gemische auf dem europäischen Markt grundsätzlich mit diesem Code gekennzeichnet sein.
Damit stellt sich für Unternehmen eine wichtige Frage: Reicht es aus, wenn der UFI-Code auf dem Gebinde vorhanden ist – oder müssen Beschäftigte auch wissen, was sie im Notfall damit anfangen können?
UFI-Code: Warum eine Nummer im Notfall so wertvoll werden kann
Viele chemische Produkte ähneln sich in Namen, Verpackung oder Verwendungszweck. Bei einem Unfall reicht die Produktbezeichnung deshalb möglicherweise nicht aus, um ein Gemisch zweifelsfrei zu identifizieren.
Genau hier setzt der UFI-Code an. Wird beispielsweise ein Reinigungsmittel verschluckt, gelangt eine Chemikalie ins Auge oder kommt es bei der Arbeit zu einem anderen Kontakt mit einem gefährlichen Gemisch, kann der Code an eine Giftnotrufzentrale weitergegeben werden.
Dort ermöglicht er den Zugriff auf die zum Produkt hinterlegten Informationen. Die genaue Zusammensetzung muss dabei nicht öffentlich auf dem Etikett stehen. Gleichzeitig lässt sich das betroffene Produkt eindeutig zuordnen.
Der praktische Nutzen liegt deshalb weniger darin, dass Beschäftigte oder Ersthelfer den Code selbst „entschlüsseln“. Entscheidend ist, dass sie ihn erkennen, finden und im richtigen Moment weitergeben können.
UFI-Code: Kennzeichnung allein schafft noch keine Handlungssicherheit
Der Code befindet sich gut sichtbar auf dem Produktetikett und ist meist in vier Zeichenblöcke gegliedert, beispielsweise:
UFI: 1234-ABCD-5678-EFGH
Trotzdem dürfte er vielen Menschen kaum bekannt sein. Für Verbraucher wirkt er schnell wie eine Chargennummer, eine interne Artikelnummer oder ein technischer Bestandteil des Etiketts.
Im Unternehmen kann genau dieses fehlende Bewusstsein zum Problem werden. Ein Beschäftigter kann täglich mit chemischen Produkten arbeiten und den UFI-Code dennoch nie bewusst wahrgenommen haben.
Im Ereignisfall beginnt dann möglicherweise erst die Suche: Wo steht der Code? Welche Nummer ist gemeint? Ist das Gebinde noch verfügbar? Wo befindet sich das Sicherheitsdatenblatt?
Gerade unter Zeitdruck zeigt sich damit ein bekanntes Prinzip des Arbeitsschutzes: Eine Information entfaltet ihren Nutzen erst dann vollständig, wenn die Beteiligten wissen, dass es sie gibt und wie sie verwendet wird.
UFI-Code: Wie die Rettungskette im Betrieb funktionieren kann
Bei einem Chemieunfall kann der Ablauf vergleichsweise einfach sein: Ein Ersthelfer, der Betriebsarzt oder eine andere beteiligte Person identifiziert das Produkt und sichert den UFI-Code vom Etikett oder aus den vorhandenen Produktinformationen.
Anschließend wird der Code an die Giftnotrufzentrale übermittelt. Dort kann das betroffene Gemisch eindeutig zugeordnet werden. Die gewonnenen Informationen unterstützen anschließend den Notarzt oder die behandelnde Klinik bei den weiteren medizinischen Entscheidungen.
Für Unternehmen ergibt sich daraus ein klarer Praxisimpuls: Der UFI-Code sollte nicht nur als gesetzlich vorgeschriebener Bestandteil einer Kennzeichnung betrachtet werden. Er kann auch Bestandteil der betrieblichen Notfallorganisation sein.
Beschäftigte, die mit gefährlichen Gemischen umgehen, sollten deshalb zumindest wissen, was der UFI-Code ist, wo sie ihn finden und an wen er im Notfall weitergegeben werden muss.
UFI-Code: Drei einfache Fragen für Ihre betriebliche Praxis
Eine kurze Überprüfung kann bereits zeigen, wie gut Ihr Unternehmen vorbereitet ist:
Kennen Beschäftigte, die mit Chemikalien umgehen, die Bedeutung des UFI-Codes? Wissen Ersthelfer, wo sie ihn auf einem Gebinde oder in den vorhandenen Unterlagen finden? Und ist im Notfall klar geregelt, wie Produktinformationen schnell an Giftnotruf, Rettungsdienst oder behandelnde Ärzte gelangen?
Solche Fragen lassen sich beispielsweise im Rahmen von Unterweisungen, Gefahrstoffbesprechungen oder bei der Überprüfung der betrieblichen Notfallorganisation aufgreifen.
Es geht dabei nicht darum, Beschäftigte mit zusätzlichen Detailkenntnissen zu belasten. Entscheidend ist vielmehr eine einfache Handlungssicherheit: Produkt identifizieren, UFI-Code sichern und die Information schnell weitergeben.
Fazit: Ein kleiner Code, der Aufmerksamkeit verdient
Der UFI-Code ist ein typisches Sicherheitsmerkmal: Solange nichts passiert, bleibt er unscheinbar. Kommt es jedoch zu einem Chemieunfall, kann er innerhalb der Rettungskette eine wichtige Rolle spielen.
Für Unternehmen liegt deshalb eine Chance darin, aus einer kaum wahrgenommenen Zeichenfolge eine bekannte und verständliche Information zu machen. Wenige Minuten Aufmerksamkeit in einer Unterweisung können dazu beitragen, dass Beschäftigte im Ernstfall nicht erst suchen oder rätseln müssen.
Wenn Sie Arbeitsschutz nicht nur dokumentieren, sondern für Beschäftigte verständlich und praktisch nutzbar machen möchten, unterstütze ich Sie gern mit praxisnahen Impulsen für Ihre betriebliche Arbeit.