Wie wird Maschinenbeschaffung zum wirksamen Lärmschutz?

Eine neue Maschine soll leistungsfähig, zuverlässig und wirtschaftlich sein. Über technische Daten, Preis und Lieferzeit wird deshalb intensiv gesprochen. Doch eine Frage bleibt bei der Maschinenbeschaffung häufig im Hintergrund: Wie laut ist die Maschine eigentlich?

Genau hier setzt das Konzept „Sell & Buy Quiet“ an. Hersteller sollen lärmarme Maschinen entwickeln und diese mit verlässlichen Geräuschemissionsangaben anbieten – „Sell Quiet“. Unternehmen wiederum sollen diese Angaben bei der Maschinenbeschaffung berücksichtigen und möglichst leise Maschinen auswählen – „Buy Quiet“. Damit beginnt Lärmschutz nicht erst dann, wenn eine Maschine bereits im Betrieb steht, sondern schon bei ihrer Auswahl.

Maschinenbeschaffung: Lärmschutz beginnt vor dem Kauf

Der Ansatz folgt einem zentralen Grundsatz des Arbeitsschutzes: Gefahren sollen möglichst an ihrer Quelle reduziert werden. Bei Maschinen bedeutet das, eine möglichst geringe Geräuschemission bereits bei der Beschaffung zu berücksichtigen.

Das kann wesentlich wirkungsvoller sein, als später mit zusätzlichen Maßnahmen auf eine hohe Lärmbelastung reagieren zu müssen. Maschinenbeschaffung ist damit nicht nur eine Aufgabe des Einkaufs. Sie hat direkten Einfluss auf die Arbeitsbedingungen der Beschäftigten.

In der Praxis stehen jedoch meist andere Kriterien im Vordergrund. Leistung, Produktivität und Investitionskosten sind unmittelbar sichtbar und vergleichbar. Die Geräuschemission dagegen ist für Einkäufer deutlich schwerer zu beurteilen.

Berücksichtigung von Lärm bei der Maschinenbeschaffung scheitert an fehlender Sichtbarkeit

Genau darin liegt eine zentrale Schwierigkeit von Sell & Buy Quiet: Die Information ist häufig nicht dort verfügbar, wo die Kaufentscheidung getroffen wird.

Geräuschemissionsangaben sollten in Betriebsanleitungen und auch in Verkaufsunterlagen zur Verfügung gestellt werden. Doch noch immer entsprechen die meisten nicht den gesetzlichen Vorgaben.

Für die Praxis besteht aber ein offensichtliches weiteres Problem: Welcher Einkäufer liest vor einer Bestellung die Betriebsanleitung einer Maschine?

Beschaffungsentscheidungen werden meist anhand von Angeboten, Datenblättern, Verkaufsprospekten oder Gesprächen mit Lieferanten vorbereitet. Ist dort nicht deutlich erkennbar, wie laut eine Maschine ist, wird die Geräuschemission kaum selbstverständlich in die Entscheidung einfließen.

Die Information kann also vorhanden sein – und für den Einkauf trotzdem praktisch unsichtbar bleiben.

Maschinenbeschaffung braucht vergleichbare Geräuschemissionswerte

Sell & Buy Quiet funktioniert deshalb nur, wenn beide Seiten ihren Beitrag leisten. Hersteller müssen nicht nur leisere Maschinen entwickeln, sondern deren Geräuschemission nachvollziehbar kommunizieren. Unternehmen müssen diese Werte aktiv einfordern und zu einem festen Beschaffungskriterium machen.

Geräuschemissionswerte sollten wenn nicht vorhanden, angefordert und verglichen werden. Besonders der Schallleistungspegel LWA eignet sich für den Vergleich von Maschinen. Gleichzeitig muss sichergestellt werden, dass die Angaben unter vergleichbaren Bedingungen ermittelt wurden. Bei größeren Anschaffungen können die Geräuschemissionswerte zudem Bestandteil des Kaufvertrages werden.

Für Unternehmen bedeutet das: Fragen Sie nicht erst nach dem Lärm, wenn die Maschine bereits läuft. Verankern Sie die Geräuschemission frühzeitig in Anfragen, Lastenheften und Bewertungskriterien.

Fazit: Gute Maschinenbeschaffung macht Lärm sichtbar

Sell & Buy Quiet ist ein überzeugender Ansatz, seine Umsetzung verlangt jedoch Transparenz. Solange Geräuschemissionswerte in den für Einkäufer relevanten Unterlagen nicht deutlich und vergleichbar erkennbar sind, bleibt „Buy Quiet“ schwierig.

Die entscheidende Frage bei der Maschinenbeschaffung lautet deshalb nicht nur: „Was kann die Maschine und was kostet sie?“ Sondern auch: „Wie laut ist sie – und woher wissen wir das vor dem Kauf?“

Wer Arbeitsschutz stärker in Beschaffungsprozesse integrieren möchte, kann genau hier ansetzen. Ich unterstütze Sie gern dabei, solche Präventionsansätze praxistauglich in Organisation und Führung zu verankern.